Mittwoch, 17. Juni: Schulstreik und Demo
Los geht's an der KatHO
Ab 8.45 Uhr sammelten sich die Studierenden im Innenhof der KatHO. Nachdem die an den Vortagen gemalten Transpis ausgeteilt worden waren und alle mit Trillerpfeifen und Infos rund ums Demogeschehen versorgt waren, machte sich der Demozug auf den Weg zum Prinzipalmarkt. Vorweg der 3-Meter-Demonstrant, dem aufgrund des Dauerdrucks von der Schule bis zum Bachelorabschluss kräftig der Kopf qualmte. Der Plan mit den SchülerInnen der umliegenden Schulen gemeinsam zu laufen scheiterte an der Begeisterung der SchülerInnen, die ihren eigenen Zeitplan überholt und sich schon ohne die Studierenden auf den Weg gemacht hatten. So zog ein extra KatHO-Zug mit 150 bis 200 Studierenden in Richtung Innenstadt.
Telgte
Auch in Telgte war die Forderungen des Bildungsstreiks „Reiche Eltern für alle“, besser ausgebildeten LehrerInnen und kleinere Klassen auf vielen Transparenten zu lesen, als um 8 Uhr morgens rund 130 Jugendliche vom Schulzentrum aus duch die Stadt zogen. Mit dem Zug ging es dann nach Münster zur Großdemo, wo alle mit dem Zug angereisten SchülerInnen auch eifrig bejubelt wurden. Gegen das Blaumachen wurden in Telgte Teilnahme- bescheinigungen verteilt und Unterstützung gab es sogar von den Schulleitungen.
Auftakt

Ab 9 Uhr war eine Auftaktkundgebung auf dem Prinzipalmarkt angemeldet, auch wenn die anwesende Polizei davon nichts wusste, um auf die eintreffenden Schulgruppen zu warten und schon mal ein paar Demosprüche einzuüben. Vereinzelt trafen zunächst SchülerInnen ein, um 9.15 kamen als erster Demozug die Studierenden der Katholischen Hochschule an „Gegen Dauerdruck im Bildungssystem – Weg mit Bachelor und Schulzeitverkürzung“. Die Moderation startete ein paar Durchsagen und bald kamen im Minutentakt Demozüge von verschiedenen Schulen an, aus allen Richtungen. Jeder Demozug wurde bejubelt und schnell füllte sich der Prinzipalmarkt, und schon eine

halbe Stunde vor der Demo waren über 3000 Menschen da. Nach kurzen Telefonaten mit der Berliner Zentrale war uns klar: Noch sind wir der größte Demozug, aber auch in anderen Städten formierten sich die ersten Demonstrationen. Demosprüche wie „Bei der Rüstung sind sie fix, für die Bildung tun sie nix“ und „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut.“ wurden eingeübt. Kurz vor dem Start der Demo trafen auch die Studierenden ein. Die Stimmung war toll, von so vielen Leuten hatten wir nur zu träumen gewagt.
Demo
Als wir dann um 10.20 loszogen, konnten wir bereits nicht mehr schätzen, wie viele Leute da waren. Nach später ausgewerteten Luftaufnahmen waren es bereits über 10.000 Menschen und auf dem Weg die Fußgängerzone hinunter Richtung Ludgerikreisel sammelten wir noch einige SchülerInnengruppen, die vom Bahnhof gekommen waren ein. Viele SchülerInnen trugen selbst gemalte Transparent oder hatten sich Stop G8 ins Gesicht gemalt, der Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Als die ersten die Fußgänerzone fast vollständig durchquert hatten, waren die letzten noch nicht einmal losgegangen, der Demonstrationszug zog sich in die Länge. In sehr langsamen Tempo gingen wir durch den Ludgerikreisel und füllten ihn komplett. Immer begleitet von lautstarken Rufen für bessere Bildung und Selbstbestimmung: „Bildung krepiert, wenn Scheiße regiert“ und

„Wessen Bildung? Unsere Bildung!“. Im Ludgerikreisel selbst gab es eine kurze Sitzblockade, Democlowns bespaßten die Demonstrierenden und so blieb die Demo äußerst entspannt.
Wiederum waren die letzten noch nicht auf dem Kreisel, als die ersten die nächste breite Moltkestraße hinuntergingen. Überall waren Menschen. Auf dem Abzweig in die Aegidiistraße von der Weseler Straße gab es noch eine Sitzblockade vom hinteren Teil der Demo, der vordere wartete. Auch die Bushaltestellen als Einzelkundgebungsorte waren bei vielen beliebt. Auch wenn es nur langsam voranging, protestierten alle TeilnehmerInnen mit Ausdauer für ihr Anliegen und schließlich ging es über den Bispinghof Richtung Schloss, immer noch lautstark.
Abschlusskundgebung

Schließlich kam die Demo mit etwa einer Stunde Verspätung um 12.30 auf dem Schlossplatz an, es herrschte noch etwas unruhige Stimmung, viele waren von der Demo noch sehr aufgeregt. Die Volksküche und der Verkauf von fair gehandelten „Für Solidarität und freie Bildung“-T-Shirts wurden sehr gut angenommen, nach kurzer Zeit waren alle Vorräte erschöpft. Es gabe einige Redebeiträge, mit viel Applaus wurden die Reden von einer Schülerin, die sich über das Schulsystem aufregte und forderte, sich dies nicht länger gefallen zu lassen. (Hier der Redebeitrag.) Im Studierendenbeitrag, der ebenfalls positiv aufgenommen wurde hieß es: „Sie sagen Zukunft, aber sie meinen Kürzungen. ... Sie sprechen von Bildung, meinen aber Ausbildung und pures Auswendiglernen und Funktionieren. Ich sage, ein Bildungssystem, dass die Studierenden nicht wie Menschen, sondern wie Maschinen behandelt, muss ausgewechselt werden.“ (Den vollständigen Redebeitrag findet ihr hier.) Auch der DGB kam zu Wort, danach spielte nach kurzer Pause eine gute Band, die Jamboree Allstars.
Sitzblockade
So hatte sich bereits das Ende des Demozuges vor der Ankunft auf dem Schlossplatz auf der Kreuzung vorm Landgericht niedergelassen um den politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen, indem Wirtschaftszweige blockiert wurden und um mehr Menschen zu beeinflussen und damit auf die Demonstration aufmerksam zu machen.
Die Blockade blieb äußerst friedlich, am Anfang saßen wohl etwa 500 Leute auf der Kreuzung, und trotz Durchsagen der Versammlungsleitung blieben alle sitzen und dachten gar nicht daran auf zu stehen. Auch die nach etwa einer Stunde angedrohte Räumung mit Personlienaufnahme konnte die BildungsstreikaktivistInnen nicht beeindruckenm, sie blieben sitzen und riefen weiterhin: „Bildung für alle, und zwar umsonst.“ Als dann noch viele Menschen von der Abschlusskundgebung herüberkamen und Essen und Getränke vorbei brachten gab die Polizei schließlich auf und zog nach und nach bis auf wenige verbliebene Kräfte ab. So dauerte die Blockade bis nach 15 Uhr an.
Spontandemo in die Berzirksregierung

Irgendwann war jedoch auch die Kreuzung zu langweilig und etwa 300 Studierende und SchülerInnen zogen noch spontan in die Stadt. Dabei wurden sie zunächst von einer Polizeikette auf der Höhe des Juridicums gestoppt. Nach einigen Diskussionen wurde klar gestellt, dass die Menschen nur einzeln in zwei Meter Abstand keine Versammlung bilden würden und weiter gehen dürften. Die Ersten folgten dieser Anweisung noch, die anderen flossen einfach so durch die Polizeikette. Dann ging es weiter auf den Domplatz in Richtung Rathaus. Als die ersten 50 Demonstrierenden an der Bezirksregierung vorbei gegangen waren, schwenkten die meisten doch rechts rein in die Bezirksregierung, wo sie etwa 45 Minuten blieben und ein Gespräch mit den Verantwortlichen und dem Minister Pinkwart forderten.
Der Regierungspräsident empfing zwar eine Delegation und versprach die Forderungen weiter zu leiten, weigerte sich jedoch, herauszukommen. Was aus den Forderungen geworden ist, ist nicht bekannt, vielleicht sollten wir noch mal nachfragen. Nach einer Abstimmung verließen die Demonstrierenden die Bezirksregierung wieder und stürmten als nächstes das Rathaus und besetzten dieses kurzzeitig. Schnell gings wieder raus und weiter in Richtung Kreisel, der kurz blockiert wurde.
Die Polizei kesselte die jungen Menschen äußerst unfreundlich, wobei fasst ein Schüler von einem Polizeimotorrad umgefahren worden wäre und trennte die Demonstrierenden. Mit einem fadenscheinigem Vorwand (Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung) wurde noch kontrolliert, wer sich hinter den lustigen Clownkostümen verbarg. Dann zerstreute sich die Demo, etwa 50 Menschen kehrten zum Bildungscamp zurück.
Programm geht weiter - auch nach der Demo
Nicht viel später ging es weiter mit dem Bildungsstreikprogramm. Direkt nach der Abschlusskundgebung traf sich die Studiengruppe „Selbstbestimmt lernen“ im Camp, Leute stießen interessiert dazu.
Ein kleiner Workshop „Mach dir deine Studienordnung“ beschäftigte sich mit der Reform der Prüfungsordnung in der Pharmazie, gesetzlichen Rahmenvorgaben und möglichen Änderungen in Bachelor-Studiengängen, beispielsweise der Abschaffung der Anwesenheitspflicht.
Ein Vortrag über gewerkschaftliche Entwicklungen und eine Einführung in die Fachschaftsarbeit rundeten das Nachmittagsprogramm ab.
Abends hatten noch viele Leute Spaß bei der Podiumsdiskussion zum Thema Bildung mit unserem Lieblingsminister Pinkwart, der unter anderem Studiengebühren einführte oder bei der langen Nacht der Bildung der Fachschaften Politik, Soziologie, Volkskunde, Wirtschaftspolitik und KuSa. Dort gab es Kurzvorträge, Filme, Buffet, Powerpoint-Freestyle und ein Debatiercafé. Viele ließen den Abend auch gemütlich im Camp ausklingen.
>> Das vollständige Programm für Mittwoch
>> Artikel auf Indymedia zur Demo am Mittwoch
Habt ihr noch Eindrücke um diesen Bericht zu ergänzen, zum Beispiel vom Start an eurer Schule? Dann bitte an irene at bildungsstreik-muenster de schreiben!


