Samstag, 20. Juni: Abschlussdemo in Düsseldorf
Zum Abschluss der Bildungsstreikwoche fand am Samstag in Düsseldorf eine landesweite Demonstration statt. Um erneut für eine bessere Bildung, selbstbestimmtes Lernen, Demokratisierung des Bildungssystems, einen freien Bildungszugang und eine öffentliche Finanzierung aller Bildungseinrichtungen zu demonstrieren, traf sich eine Gruppe von knapp 100 Studierenden und SchülerInnen aus Münster und Ibbenbühren um 10 Uhr am Münsteraner Hauptbahnhof. Nachdem alle Bezugsgruppen ihre Fahrkarten und Stadtpläne von Düsseldorf hatten ging es mit dem Zug los.
In Düsseldorf war eine größere Demonstration angemeldet, die meisten MünsteranerInnen entschieden sich jedoch, schon in Düsseldorf-Wehrhahn auszusteigen. Dort trafen wir auch auf weitere BildungsaktivistInnen aus Bochum und Dortmund, gemeinsam ging es hinter unserem Fronttranspi lautstark in Richtung Innenstadt. Dabei wurden einige Kreuzungen kurzzeitig blockiert und immer wieder Parolen gerufen: „Was wir wollen ist nicht viel – Selbstbestimmung ist das Ziel!“.
Wegen mangelnder Ortskenntnis trafen wir doch bald auf die Hauptdemonstration mit etwa 7000 TeilnehmerInnen und schlossen uns ihr an, verloren uns jedoch recht schnell in der großen Demo. Zahlreiche Fahnen und Transparente verschiedenster Organisationen bestimmten das Bild. Wir hörten und brüllten die verschiedensten Demosprüche, die entwickelt worden waren wie „Rauf mit der Bildung, runter mit der Rüstung!“ oder die Klassiker „Bildung für alle und zwar umsonst“ und „Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut“. Auch die shoppenden Menschen in Düsseldorf wurden immer wieder angesprochen mit kurzen Aktionen wie das Legen von Bildungleichen auf dem Bürgersteig „Düsseldorfer, seid nicht blind, wir tun das auch für euer Kind.“ Im großen und ganzen versuchten die MünsteranerInnen ein bisschen Aktivität in die Demo hineinzubringen und sorgten mit kurzen Stopps und Laufaktionen für ein bisschen Stimmung. Zwischendurch folgten kurze Sitzblockaden des ganzen Demozugs.
Nicht weit entfernt vom Abschlusskundgebungsort auf der Heinrich-Heine-Alle beschlossen viele Studierende und SchülerInnen ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen und blieben auf der Straße sitzen. Polizei rückte an und forderte alle auf, die Kreuzung zu verlassen. Nach etwa einer Stunde kamen immer mehr Leute von der Abschlusskungebung und wollten auf die Kreuzung, auf der zu dem Zeitpunkt sicher mehr als 500 Menschen waren. Die Polizei bildete einen Kessel und ließ zunächst keinen mehr rein und forderte die Menschen drinnen erneut auf, aufzustehen. Ein Deligiertenplenum entschied, zunächst sitzen zu bleiben. Nach mehreren Aufforderungen und einer letzten Fristen nutzten viele die letzte Chance zum Verlassen des Kessels. Etwa 200 Leute blieben und wurden nach und nach von der Polizei aufs Präsidium verfrachtet, darunter auch 13jährige Kinder. Die Solidarität der Leute außerhalb mit denen im Kessel war groß, so wurde vom Kaufhaus ein Bildungsstreikbanner heruntergelassen und nach der Räumung der Kreuzung, die insgesamt sicher vier Stunden blockiert war, folgte ein spontaner, sehr lauter Demozug zum Polizeipräsidium mit Sprüchen wie „Wir sind nicht alle, es fehlen die Gefangenen“ und „Freiheit für alle politischen Gefangenen“.
Vor dem Polizeipräsidium nahmen die Wartenden schließlich Platz auf den Straßenbahnschienen und blieben bis in den späten Abend, bis alle Menschen wieder in Freiheit waren. Wir warteten auf die beiden Münsteranerinnen und die Ibbenbührener und setzten uns schließlich mit etwa 20 Leuten in Richtung Hauptbahnhof in Bewegung um den letzten Zug zu erwischen. Demosprüche wie: „Wessen Bildung? Unsere Bildung! Wessen Schule? Unsere Schule! Wessen Uni? Unsere Uni! Wessen Straßen? Unsere Straßen!“, konnten wir immer noch rufen uns so begleitete uns selbst neben der Straßenbahn noch ein Polizeifahrzeug mit Hilfe von Blaulicht.
Nach dem Umstieg in Gelsenkirchen feierten wir noch (mittlerweile war es 24 Uhr) den Geburtstag einer Mitreisenden aus Münster mit Waffelkuchen und Megaphon-schlagen. Zurück in Münster startete unsere letzte Spontan-Nachtdemo der Bildungsstreikwoche zum Bildungscamp, diesmal ohne Polizei, aber brüllen konnten wir immer noch: „Hoch mit der Bildung, nieder mit der Repression!“.


