SchülerInnen, Studierende und Gewerkschaften rufen zum Bildungsstreik auf
18.05.2009 18:09 Uhr - (0 Kommentare)
Die SchülerInnen
"Die meisten von uns Gymnasiasten kennen keinen Hauptschüler", berichteten die SchülerInnen. "Die soziale Selektion ist also offensichtlich", meinten sie weiter. Ebenso kritisierten sie nicht nur den maroden Zustand der Schulgebäude, den Lern- und Konkurrenzdruck im Klassenzimmer und die Lehrmittelknappheit, sondern äußerten sich auch ausführlich über das Schul eigene Demokratiedefizit. "Wir wollen die Schule mitgestalten. Wir wollen die Drittelparität." Auch forderten sie bessere Pädagoginnen und Pädagogen, die Abschaffung von "G8" und die Beseitigung von Kopfnoten.
Studierende
Auch die Studierenden fanden für die Situation an den Hochschulen
klare Worte und die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Gruppen wurden
deutlich. Neben der Abschaffung sämtlicher Bildungsgebühren sprachen
sie den enormen Druck an, unter dem die Studierenden der
Bachelor-/Masterstudiengänge stehen. "Als ich an die Universität
Münster kam, war nichts so, wie ich es mir vorstellte. Da ist keine
Freiheit, keine Kreativität, keine Begeisterung", so der Student auf
dem Podium. "Wir werden nicht gebildet, sondern verwaltet. Viele
arbeiten nebenbei und die Zahl derer, die psychischen Krankheiten
erleiden, steigt", beschrieb er weiter.
Die Studierenden forderten deshalb die Abschaffung des Bachelor/Master
in der jetzigen Form. Ein sozial gerechtes BAföG und den Stopp des
Abbaus von Studiengängen. Sie forderten mehr ProfessorInnen und
DozentInnen, mehr Auswahl an Seminaren und weniger Bürokratie.
Gewerkschaften
Die Gewerkschaften sprachen die soziale Selektion im Bildungssystem an. AkademikerInnenkinder seien an den Hochschulen deutlich über repräsentiert. Die Förderung von Kindern aus finanziell und sozial benachteiligten Schichten bleibe weitgehend aus. Jedes Jahr verließen 80.000 Hauptschülerinnen und Hauptschüler die Schule ohne Abschluss und seien so automatisch abgeschrieben. Immer noch gebe es vier Millionen AnalphabetInnen. Die Bundesregierung müsse endlich viel mehr Geld für Bildung ausgeben. Die Zeit in der Bildung ein "Stiefkinddasein" friste, müsse enden, so der Vertreter der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Deshalb sei auch der Streik der Kindertagesstätten in Münster folgerichtig. Man werde versuchen, diese in den Bildungsstreik mit einzubinden.
Organisation des Bildungsstreiks
Insgesamt, so alle Beteiligten, komme die Organisation des
Bildungsstreiks gut voran. Besonders überraschend sei die hohe
Beteiligung der Schülerinnen und Schülern. Auch die Anzahl der bisher
vernetzten Schulen sei beachtlich.
Die Studierenden waren optimistisch, dass auch an der Universität
Münster die Studierenden verstärkt am Bildungsstreik teilnehmen werden.
Bald würde die Mobilisierung in den Hörsälen beginnen. Auch sei die
Planung für die Streikwoche vom 15. bis 19. Juni weit fortgeschritten.
Mittlerweile hätten sich sogar ProfessorInnen dem Streik angeschlossen.
Nun, so die Studierenden und SchülerInnen, müssten auch die Eltern
folgen, weil auch sie "direkt von der Bildungsmisere betroffen sind".
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