Besetzung des Audimax der Universität Münster
Gründe für die Besetzung
Die katastrophale Umsetzung der Bologna-Reformen hat in den meisten Staaten Europas zu einem völlig starren Studium geführt. In vielen Ländern ist ein freier Bildungszugang nicht möglich, Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen verhindern diesen. Die Ökonomisierung der Bildung schreitet weltweit voran, Kindertagesstätten, Schulen und Hochschulen werden privatisiert.
Anschluss an Besetzungen in Österreich
Dieses Problem ist weltweit, ab dem 20. Oktober wurden in Österreich zahlreiche Hörsäle von Hochschulen besetzt um für einen freien Bildungszugang für alle Menschen zu streiten. Die österreichischen Studierenden protestierten damit auch gegen katastrophale Studienbedingungen und für die Abschaffung aller Zulassungsbeschränkungen wie NCs und Studiengebühren. Sie forderten die deutschen Studierenden auf, zu handeln und ebenfalls Hörsäle zu besetzen. Diese ergriffen die einmalige Chance und besetzten erst am 3.11. in Heidelberg einen Hörsaal, am 4.11. den Audimax in Münster und in Potsdam und von da an jeden Tag neue Hörsäle quer durch die ganze Welt. Ende November wurden allein in Deutschland sicher über 100 Hörsäle besetzt.
Die Besetzung
Um 12 Uhr am Mittwoch, den 4.November besetzten Studierende (und Schüler_innen) um 12 Uhr den Audimax (Johannisstraße) der Universität Münster. Nach einer Solidaritäts-Kissenschlacht um Studienplätze kamen ziemlich schnell viele Menschen in den Hörsaal, auch der Livestream lockte viele an. Das Rektorat erschien recht schnell und diskutierte mit den Menschen, ohne jedoch auf die Forderungen der Studierenden einzugehen. Schließlich sprach es noch am gleichen Tag das Hausverbot für den nächsten Morgen aus.
Am nächsten Tag begann der Hochschultag für die Schüler_innen auch im Audimax, die Veranstaltungen wurden in Kooperation zwischen Besetzer_innen und Dozierenden abgehalten. Auch aufgeräumt wurde eifrig. Nachmittags gab es einzelne Workshops und anstrengende Plenumsdiskussionen.
Räumung
Am Freitag, keine 48 Stunden nach Beginn der Besetzung, um 6 Uhr morgens wurde der Hörsaal schließlich polizeilich geräumt. Die Rektorin stellte Strafanzeige wegen Hausfriedensbruches. Die Besetzer_innen entschlossen sich weiter zu machen und der Repression die Stirn zu bieten. Eine Petition für die Rücknahme der Anzeigen wurde angefertigt. Zahlreiche Solidaritätserklärungen aus anderen Städten sowie eine Solidemo an der deutschen Botschaft in Wien, machten Mut, weiter zu machen. An einer abendlichen spontanen Solidaritätsdemonstration beteiligten sich 150 Menschen, die unkontrolliert und laut durch die Innenstadt zogen: "Gebühren verweigern, Klausuren ins Klo, Unis besetzen sowieso."
Spontane Uni-Aneignung
Gleich nach der Räumung wurde eine Uni-Aneignung für Montag angekündigt und verbreitet. Das Rektorat reagierte und ließ sämtliche Veranstaltungen aus dem Schloss heraus verlegen und das gesamte Schloss polizeilich abriegeln. Auf dem Domplatz, dem vereinbarten Treffpunkt warteten an allen Ausgängen Polizeiautos. Trotzdem gelang eine Kurzzeitaneignung des PC4, eines Hörsaals in der Nähe des Schlosses, wo über weitere Besetzungen diskutiert wurde.


