Forderungen der SchülerInnen

Die folgenden Forderungen wurden in den letzten Monaten in intensiver inhaltlicher Arbeit von vielen Schülerinnen und Schülern, die sich beim SchülerInnenbündnis in Münster beteiligt haben, erarbeitet. Sie stellen ein Konsens der Beteiligten dar, der jedoch durchaus durch deine Beteiligung überarbeitet werden kann.


1) Bildung ist für alle da!

Eine Schule für alle!

Das mehrgliedrige Schulsystem ist in hohem Maße sozial selektiv und damit ungerecht. Kinder aus sozial schwächeren Familien werden systematisch benachteiligt. In keinem anderen vergleichbaren Industriestaat hängen die Chancen im Bildungssystem so stark vom Geldbeutel der Eltern ab, wie in Deutschland. Zudem führt das mehrgliedrige Schulsystem keinesfalls dazu, dass jedes Kind mit seinen Schwächen und Stärken berücksichtigt und mitgenommen wird, sondern, wie mehrere Studien und internationale Institutionen (OECD, UNICEF, UNESCO, Europäische Kommission, Menschenrechtsrat der UNO) aufzeigen dazu, dass die Kinder schon mit 9 Jahren in Schubladen einsortiert und damit Lebenschancen verbaut werden. Diese Selektion teilt bereits junge SchülerInnen in unterschiedliche soziale Schichten ein, die schon als Jugendliche wenig Kontakt zueinander haben. Das führt zu Unsicherheit im Umgang miteinander und fördert Vorurteile, Ignoranz und Elitedenken.

Jedes Kind hat individuelle Stärken und Veranlagungen, die sich nicht einfach in Haupt-, Realschule, Gymnasium oder Sonderschule einsortieren lassen. Um jeder SchülerIn wirklich gerecht zu werden, braucht es nur eine Schule, die in Kombination mit deutlich kleineren Klassen jeden in seinen Schwächen fördert und in seinen Stärken fordert. In diesem Schulsystem wird die Chancengleichheit massiv erhöht und kein(e) SchülerIn zurückgelassen.

Die Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung aus dem „normalen“ Schulsystem und deren Unterrichtung in Sonder- und Förderschulen verhindert die Integration behinderter Menschen in die Gesellschaft. Wir fordern die konsequente Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention, in der sich auch die deutsche Regierung verpflichtet hat ein „integratives Bildungssystem auf allen Ebenen“ zu gewährleisten. Wir sind für eine inklusive Schule, die für alle noch so unterschiedlichen Kinder und Jugendliche da ist.

Kostenlose Bildung für alle!

In einem modernen und gerechten Staat muss Bildung eine Aufstiegschance für jeden darstellen. Werden uns diese Chancen aber dadurch beschnitten, dass man für sie zahlen muss, ist das System ungerecht und in hohem Maße sozial selektiv. Bildungsgebühren fördern also nur die soziale Selektion, weil nicht jeder sich diese leisten kann, und müssen daher abgeschafft werden, damit der Zugang zu Bildung für jeden, egal welcher Herkunft, frei ist.


2) Demokratisierung und Selbstbestimmung

Schule muss unabhängig sein!

In Schulen versuchen besonders die Wirtschaft und die Bundeswehr, aber auch die Kirche Einfluss auf Form und Inhalt zu nehmen. Die Wirtschaft dehnt ihren Wirkungsbereich auf die Schule aus, indem sie finanzielle Mittel zur Verfügung stellt, als Gegenleistung verlangt sie eine Werbemöglichkeit an den Schulen. Durch die Informationsveranstaltungen der Bundeswehr an Schulen kann es passieren, dass die Schüler unreflektiert die Einstellung der Bundeswehr übernehmen. Die Kirche übt über ihre Grundwertebildung im Religionsunterricht Einfluss auf die SchülerInnen aus. All das verhindert unabhängige und kritische Meinungsbildung der SchülerInnen. Darum fordern wir eine unabhängige Schule und die Beendigung der Kooperation zwischen Bildungsministerium und der Bundeswehr.

Selbstbestimmtes Lernen

Am Besten lernen wir freiwillig! In der Schule werden wir jedoch zum Lernen von „Stoff“ gezwungen, der uns vorgesetzt wird, ohne dass wir wirkliche Möglichkeiten haben darüber mitzuentscheiden. Wir wollen selbst entscheiden und fordern ein Mitspracherecht bei Unterrichtsinhalten und mehr Fächerwahlmöglichkeiten, damit wir aus eigenem Antrieb besser lernen können. Alle Menschen lernen verschieden und individuelle Bedürfnisse können im Moment gar nicht berücksichtigt werden. Wir wollen weg von dem starren Zeitrahmen und die Möglichkeit haben selbstbestimmt zu lernen. So sollen auch fächerübergreifender Unterricht und Projektwochen möglich werden.

Demokratie auch an Schulen!

Wir sind der Meinung, dass der Bildungsauftrag der Schule nicht nur darin bestehen sollte, verwendbare Fakten zu vermitteln, sondern dass man auch lernen muss, unsere Demokratie mitzugestalten und weiterzuentwickeln. Und "Demokratie lernen" klappt am besten durch "Demokratie leben". SchülerInnen sollten also wissen, wie man am besten zu Entscheidungen kommt, die alle weiterbringen. Denn Entscheidungen, die über das Schulleben gefällt werden, gehen doch in erster Linie uns SchülerInnen etwas an.

Ein sinnvoller erster Schritt zu einer demokratischeren Schulkultur wäre zum Beispiel die Wiedereinführung der Drittelparität in der Schulkonferenz, damit die SchülerInnen wieder ein Drittel des Stimmrechts innehaben.


3) Reformen zurücknehmen oder an ihrer Umsetzung arbeiten

G8 - Wir sind keine Versuchskaninchen!

Die Verkürzung der Schulzeit von 9 auf 8 Jahren sollte uns SchülerInnen leistungsfähiger machen, dafür sorgen dass wir schneller unseren Beitrag im Wirtschaftskreislauf leisten können und Geld sparen, denn ein Schuljahr kostet pro Schüler immerhin 7000 Euro.

Doch bis jetzt führt G8 dazu, dass bereits junge SchülerInnen bis in den Nachmittag in der Schule sitzen und danach noch Hausaufgaben machen müssen. Die Schulen sind für diese neue Situation nicht ausreichend ausgestattet: Viele bieten nicht einmal ein warmes Mittagessen an. Der verschärfte Leistungsdruck führt zu Stress und Überforderung, nicht nur bei den SchülerInnen, sondern auch bei den LehrerInnen. Dies behindert das Lernen erheblich. Eine weitere gravierende Folge der G8-Reform ist, dass der Wechsel von der Haupt- oder Realschule zum Gymnasium fast unmöglich ist. Das eh schon undurchlässige System wird also noch unflexiblerer.

Bei der Umsetzung von G8 wurde an Hirn und Geld gespart, hier muss dringend nachgebessert werden. Deshalb fordern wir:

  • G8-Materialien für G8-SchülerInnen!
  • Flexiblere Lehrpläne
  • Kostenloses Mittagessen für SchülerInnen, die nachmittags Unterricht haben
  • Einen Studienplatzausgleich (also zusätzliche Studienplätze) für die SchülerInnen des Doppeljahrgangs 2013

Kopfnoten abschaffen!

Kopfnoten reduzieren das Verhalten der SchülerInnen auf unfaire Art und Weise auf vier Notenstufen. Für die Bewertung kann es keine eindeutig festgelegten Vorgaben geben und die ausschließlich subjektive Einschätzung der LehrerInnen kann dazu führen, dass Zukunftsperspektiven verbaut werden. Zudem werden Kopfnoten oft als Druckmittel missbraucht.


4) Besseres Miteinander

Macht/Respekt/Schulatmosphäre

Die angespannte Atmosphäre in der Schule macht das Lernen dort oft unmöglich. SchülerInnen werden von LehrerInnen unterrichtet, die in einer Machtposition stehen. Natürlich nutzen nicht alle diese Macht aus. Die Machtmittel (Schlechte (Kopf-)Noten, Sitzenbleiben, Tadel…) stehen jedoch erst einmal jede(r) LehrerIn zur Verfügung. Das macht es für uns SchülerInnen oft schwer sich gegen Ungerechtigkeiten oder Respektlosigkeit von Seiten der LehrerInnen zu wehren. In den meisten Fällen führt die Situation dazu, dass nicht einmal versucht wird sich zu wehren.

Es müssen Möglichkeiten gefunden werden mit Kritik von SchülerInnenseite konstruktiv umzugehen. Beschwerden dürfen nicht ignoriert oder heruntergespielt werden. Auch wenn wir jünger sind: Wir sind Menschen und wollen ernst genommen werden!

Auf der anderen Seite brauchen die LehrerInnen Unterstützung um mit Problemen umzugehen und die Qualität ihres Unterrichts sicherzustellen. Sie dürfen nicht länger allein gelassen werden. Wir wollen eine Zusammenarbeit von LehrerInnen und SchülerInnen, die auf gegenseitigem Respekt beruht.


5) Mehr Geld für Bildung

Mehr Geld für Bildung

Heutzutage sind Klassengrößen von über 30 SchülerInnen keine Seltenheit mehr. Doch eine individuelle Förderung ist nur in kleinen Lerngruppen realisierbar. Deshalb ist es nötig, dass die Zahl an Lehrkräften deutlich erhöht wird. Zudem verbessert sich die Lernatmosphäre in den Klassen und die oft überanstrengten Lehrpersonen werden entlastet.

Bröckelnde, schimmelige Decken und Wände, kaputte Tische und Stühle, veraltete und fehlerhafte Lehrbücher, fehlende Ausstattung in Fachräumen. Dies sind nur einige Mängel, mit denen viele SchülerInnen, aber auch LehrerInnen zu kämpfen haben. Diese Missstände erschweren einen zeitgemäßen Unterricht und verderben jeglichen Spaß am Lernen. Um dies zu vermeiden, muss deutlich mehr Geld in die Ausstattung und Instandhaltung der Schulen investiert werden.

Zudem sind die Schulen nicht darauf eingestellt, dass immer mehr SchülerInnen psychologische Betreuung brauchen. Doch es gibt nur selten SozialarbeiterInnen oder PsychologInnen, an die sich SchülerInnen bei Problemen wenden können, die man nicht seiner Lehrperson anvertrauen möchte. Auch hierfür ist es wichtig, dass mehr Geld in die Schulen gesteckt wird, um den Schulalltag für alle Beteiligten zu verbessern.


Bildung ist Zukunft und nur durch einen hohen Bildungsstand kann auch in Zukunft soziale Sicherheit und Fortschritt für uns alle gewährleistet werden.


Einen Kommentar schreiben