Ziele und Funktionen von Bildung – Unsere Vorstellung

Bildungsbuch

Der folgende Text ist aus verschiedenen Inhaltsplena entstanden und wird im Moment bei uns noch intern diskutiert, um Transparenz zu schaffen und euch zu ermöglichen, mitzudiskutieren, ist er hier schon mal verfügbar.

Bildung ist ein weitgefasster Begriff, deswegen haben wir darüber diskutiert, was Bildung eigentlich ist und welchen Zwecken sie im Moment dient und aus welchen Gründen wir Bildung in einer bestimmten Form wollen.

Wozu dient Bildung im Moment?

Bildung an Schulen und Universitäten dient vor allem der Vorbereitung auf das Berufsleben, was allgemein akzeptiert ist. Die Menschen werden größtenteils so erzogen, dass sie funktionieren, also den Anforderungen der Unternehmen und des Staates gerecht werden. Sie sollen vielmehr der Produktivität des Staates dienen als kritisch zu denken lernen.

Durch Verteilung auf verschiedene Schulformen, Ausbildungen und Studiengänge wird dieser Prozess eingeleitet. Es wird selektiert, um die jungen Menschen hinterher auf unterschiedliche Berufe in verschiedenen Niveaustufen (Arbeiter_innen, Angestellte, Akademiker_innen, Erwerbslose, ...) aufzuteilen. Sie gehören später unterschiedlichen Gesellschaftsschichten an, die sich durch Einkommen und Bildungsgrad abgrenzen, was zu einer Reproduktion von Hierarchien führt. Durch Notenvergabe und entsprechende Zugangsbeschränkungen zu Bildungseinrichtungen wird Konkurrenzdenken gefördert, damit sich die Menschen bereits früh an die spätere Konkurrenzsituation auf dem Arbeitsmarkt gewöhnen.

Eigene Möglichkeiten, mitzubestimmen, was und wie gelernt wird, gibt es vor allem an den Schulen nicht – es könnte dem oben genannten Zweck von Bildung entgegen wirken.

Wozu und wie möchten wir Bildung?

Bildung sollte zur Teilhabe an einer kritischen und demokratischen Gesellschaft befähigen, insbesondere auch zum Hinterfragen gesellschaftlicher Zustände. Denn nur, wenn bestehende Verhältnisse hinterfragt und überprüft werden, können Ideen zur Veränderung entwickelt und durchgesetzt werden. Deshalb ist reflektiertes Denken für uns eines der wichtigen Bildungsziele. Bildung soll der Persönlichkeitsbildung dienen, die Entwicklung von eigenen Positionen ermöglichen und auch auf die spätere Tätigkeit vorbereiten.

Bildung als Selbstzweck soll für jede(n) einzelne(n) wichtig sein, ohne dass diese sich um Verwertbarkeit Gedanken machen müssen. Bildung soll nicht die aktuellen gesellschaftlichen Verhältnisse reproduzieren, sondern sie hinterfragen. Wir lehnen den Gedanken einer stagnierten Elite, die mehr Zugang zu Bildung hat und über andere bestimmt, ab. Deshalb muss gerade Bildung offen und frei zugänglich für alle Menschen sein, unabhängig von Alter und Einkommen.

So ermöglicht Bildung, sich seiner Rechte bewusst zu werden und dafür einzutreten. Sie sollte aufklären und gegenseitige Akzeptanz und Empathie fördern.

Um diese Ziele zu verwirklichen, muss Bildung selbstbestimmt sein, das heißt selbstständig entschieden, was, wann, wo und wieviel gelernt wird. Wir möchten gleichberechtigte Bildungsformen, in denen Menschen sich in erster Linie austauschen und gegenseitig fördern können. Keine Person soll als ranghöher gelten und Macht ausüben. Lernen muss dabei gleichzeitig begreifen heißen und ein tiefes Verständnis von Dingen fördern.